Perspektiven der Fotografie

Symposion an der Fakultät Gestaltung Würzburg

Fotografie ist eine weit verbreitete Kulturtechnik und mittlerweile allgegenwärtig. Gleichzeitig verschwinden viele klassische Arbeitsfelder von Berufsfotografen. Worin könnten die Aufgaben der Fotografie als Bildmedium in der heutigen Gesellschaft bestehen? Welche Rückschlüsse können wir daraus für das Studium an Hochschulen im Bereich von Kunst und Design ziehen?

Im Rahmen des Symposions wollen wir versuchen, uns durch eine gemeinsame Betrachtung bildpraktischer Positionen sowie theoretisch-wissenschaftlicher Beispiele einer Verortung der Fotografie in der künftigen Gesellschaft anzunähern.

Einzelne Positionen werden unter anderem die folgenden Fragestellungen umkreisen:

Die soziale, kulturhistorische, aber auch wissenschaftliche Kontextualisierung der Fotografie bietet vielseitige Möglichkeiten der Verknüpfung von wissenschaftlicher und angewandter Forschung mit Methoden der künstlerischen und angewandten Fotografie. Welche Ansätze und Fragestellungen könnten dabei besonders relevant sein?

Bieten die schon historisch angelegte Erweiterung des Mediums der Fotografie ins Dreidimensionale sowie die neuen Möglichkeiten der digitalen Verknüpfungen neue Erkenntnis- und Kommunikationsansätze auch jenseits von Unterhaltung und ökonomischen Gesichtspunkten?

Können Autoren durch individuelle Methoden und Experimente mit dem Medium Bild mehr Autonomie gegenüber Apparaten und Algorithmen erreichen und eine neue Perspektive auf das Medium des technischen Bildes entwickeln?

Programm

ab 12:00–13:00
Zeit für erste Gespräche, kleines Buffet

13:00-13:15
Begrüßung, Marcus Kaiser

13:15-14:45 
Christoph Naumann-Zimmer
»Fotografie als physisch-sensorischer Prozess ästhetischer Forschung«
Eignet sich Fotografie als Schnittpunkt von künstlerisch-angewandtem Handeln und kulturwissenschaftlicher Recherche und Analyse?

Peggy Buth
»Politic of Selections. Vom Nutzen der Angst«
Peggy Buths Arbeitsweise ist konzeptionell und prozessbezogen sowie interdisziplinär und intermedial, häufig verbunden mit einer längerfristigen Forschung. In ihrer Arbeit »Politic of Selections. Vom Nutzen der Angst« (seit 2014) untersucht sie die Verbindung zwischen der Konstruktion von Identität, Rassismus, Medien, Ökonomie und der kapitalistischen Aneignung von Raum.

Moderation Marcus Kaiser

14:45-15:15 Pause

15:15-16:45 
Mario Donick
»Ausbruch aus dem Gegebenen: Wirkdimensionen virtueller Fotowelten«
Virtuelle Reisen auf die Golden-Gate-Brücke in San Francisco, in ein Dorf in Afrika oder auf die Große Mauer in China – abseits von simulierten Umgebungen gestattet die virtuelle Realität stereoskopische 360°-Aufnahmen realer Orte zu erstellen und zu betrachten. Wie können dreidimensionale Fotoaufnahmen den Eindruck von Präsenz erzeugen und welche weiteren Wirkungen sind möglich?

Gerhard Schweppenhäuser
»Zwischen Allegorie und virtueller Realität. Revisionen des Realismus«
In der sozialen Porträtfotografie des 20. Jahrhunderts und in der Profilbild-Kultur des 21. treten philosophische Realismusbegriffe ästhetisch in Erscheinung. Wir haben es mit einem unerledigten Problem aus der Tradition des philosophischen Universalienrealismus zu tun: Der Vielfalt der je besonderen, individuellen Erscheinungen liegt ein »negatives Allgemeines« zugrunde.

Moderation Christian Bauer

16:45-17:15 Pause

17:15-18:45
Julian Röder
»Licht und Angst«
Skizzierung der persönlichen Entwicklung vom dokumentarischen Stil zu einer inszenierten und konzeptionellen Fotografie. Schlüsselfrage: Erfordert Unabbildbarkeit Konstruktionen als Antwort?

Adam Broomberg (Broomberg & Chanarin)
»Bandage the knife not the wound«
Adam Broomberg wird einige der wichtigsten Projekte aus der 20-jährigen Zusammenarbeit mit Oliver Chanarin vorstellen. Der Vortrag beschreibt die verschiedenen konzeptionellen und visuellen Strategien in Broombergs und Chanarins konsequenten Versuchen, das Wesen der Fotografie zu analysieren.

Moderation Marcus Kaiser und Uli Braun

18:45-20:00
Podiumsdiskussion
mit Peggy Buth, Adam Broomberg, Mario Donick, Christoph Naumann, Julian Röder und Gerhard Schweppenhäuser

Moderation Marcus Kaiser

Referenten

Adam Broomberg (Broomberg & Chanarin)
(geb. 1970 in Johannesburg, Südafrika) und Oliver Chanarin (geb. 1971 in London) sind Künstler die in London und Berlin arbeiten. Sie sind Professoren für Fotografie an der Hochschule für bildende Künste (HFBK) in Hamburg. Zahlreiche Internationale Einzelausstellungen und Auszeichnungen.

Peggy Buth
studierte Fotografie und Bildende Kunst an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig (Abschluss 2002) und war Fellow der Jan van Eyck Academie Maastricht, Niederlande (2003-2005), seit 2016 ist sie Professorin für Medienkunst an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig.

Mario Donick
(geb. 1981) ist Kommunikationswissenschaftler, freiberuflicher Dozent und Autor, Berater und Entwickler im Bereich Flugsimulation und User Experience. Er studierte von 2001 bis 2006 Deutsche Sprache, Literatur und Geschichte an der Universität Rostock. Von 2008 bis 2013 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Informatik der Universität Rostock. 2015 Promotion zum Thema Unsicherheit und Ordnung der Computernutzung. Mehrere Buchprojekte, z.B.: »Die Form des Virtuellen«, Telepolis 2016.

Christoph Naumann-Zimmer
(geb. 1983), studierte Europäische Ethnologie und Germanistik in Würzburg sowie Fotografie an der Folkwang UdK in Essen. Aktuell schließt er ein fotogeschichtliches Dissertationsprojekt ab, gefördert mit einem Promotionsstipendium der Johannes-Rau-Gesellschaft. Er ist Lehrbeauftragter für Fotografie an der Universität Würzburg und arbeitet freiberuflich als Architekturfotograf.

Julian Röder
(geb. in Erfurt, 1981) aufgewachsen in Berlin. Nach einer Ausbildung zum Fotografen bei der Agentur OSTKREUZ studierte er an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Für einige Jahre arbeitet er anschließend als Fotojournalist bei der Agentur OSTKREUZ. Im Spannungsfeld zwischen angewandten und freien Arbeiten entwickelt er seinen konzeptuell-dokumentarischen Ansatz und thematisiert in seinen Arbeiten Strukturen von Macht und Ökonomie. Seine Bilder haben dabei immer einen starken Subtext und verweisen über das Gezeigte hinaus auf gesamtgesellschaftliche Zustände und Entwicklungen; dabei changieren sie stets zwischen Dokument und Inszenierung.

Gerhard Schweppenhäuser
(geb. 1960, Frankfurt a.M.) ist Professor für Design-, Kommunikations- und Medientheorie an der Fakultät Gestaltung der FHWS in Würzburg und Privatdozent für Philosophie an der Universität Kassel.

Fakultät Gestaltung Würzburg

Sanderheinrichsleitenweg 20
Würzburg
Telefon +49 931 35 11 93 02
www.gestaltung.fhws.de

weitere Informationen
Marcus Kaiser
marcus.kaiser@fhws.de

Busverbindungen
mit Linie 114, Haltestelle Am Hubland
mit Linie 214, Haltestelle Sanderheinrichsleitenweg